Fünf Jahre Tafelladen in Gerabronn

Höhere staatliche Hilfen für Bedürftige gefordert

 

Eine Einkaufsmöglichkeit für bedürftige Menschen in Gerabronn anzubieten, war das Ziel der ökumenischen Begegnungsstätte „OffenBar“. Vor fünf Jahren öffnete vor Ort das erste Mal der Tafelladen.

Gerabronn. „Ein Grund zum Feiern ist der Geburtstag eigentlich nicht“, beschrieb der katholische Gemeindereferent Nils Neudenberger die Situation: Es sei ein Unding, dass im reichen Deutschland Tafelläden nötig seien, um die hier herrschende Armut zu kaschieren. Er forderte eine Erhöhung der staatlichen Unterstützung bedürftiger Menschen, denn nur ein Teil nutze überhaupt das Angebot. „Unsere Ehrenamtlichen können eine gerechtere Sozialpolitik nicht ersetzten.“

 

Zuvor blickte Neudenberger auf die Geschichte der „Ausgabestelle Gerabronn des Tafelladens Crailsheim“, so der offizielle Name, zurück. Die ökumenische Begegnungsstätte „OffenBar“ suchte 2012 zur Ergänzung ihres Angebots nach einer Möglichkeit, günstige Lebensmittel an Bedürftige auszugeben. Schnell war klar, dass die Gerabronner Ehrenamtlichen das nicht alleine schaffen konnten. „Es war eine Fügung von oben“, erzählte der Gemeindereferent, dass sich Karin Coffey von der Crailsheimer Tafel meldete und nach der Möglichkeit einer Zusammenarbeit fragte. Der Rest ging schnell: Im April 2013 eröffnete der Tafelladen im katholischen Gemeindesaal erstmals seine Türen.

 

Jeden Dienstagnachmittag von 14.30 bis 15.30 Uhr verkaufen viele Ehrenamtliche aus Gerabronn und dem Umland Lebensmittel zu maximal 30 Prozent des ortsüblichen Preises an die bedürftigen Menschen. „Ohne Ihr zuverlässiges Engagement hätten wir dieses Projekt nicht so lange stemmen können“, lobte Nils Neudenberger die Mitarbeiter. Der Tafelladen Crailsheim der diakonischen Aufbaugilde Heilbronn unterstützt das Projekt logistisch und mit viel Erfahrung. Das Team um Karin Coffey sammelt bei verschiedenen Partnern jeden Tag Lebensmittel, Obst und Gemüse sowie Molkerei- und Backwaren ein, rund 80 Prozent in Crailsheim und 20 Prozent in Gerabronn. Die Waren sind einwandfrei und das Mindesthaltbarkeitsdatum ist noch nicht abgelaufen, sie können aber nicht mehr in Märkten verkauft werden – sie würden dort weggeworfen.

 

Rund 20 bis 25 Personen besuchen pro Woche den Gerabronner Tafelladen. Die Berechtigungsscheine für den Einkauf werden von den Mitarbeitern direkt vor Ort ausgestellt. Die „Kundschaft“ ist breit gestreut, es kommen sowohl Einheimische als auch Flüchtlinge. Die Form der Ausgabe wird an die Gegebenheiten immer wieder angepasst. Wenn viele Menschen schon früh kommen, werden Lose verteilt, sodass jeder die gleiche Chance hat, etwas von den wenigen frischen Lebensmitteln abzubekommen. Die Menschen unterschiedlicher Herkunft begegnen sich in Gerabronn auf Augenhöhe. „Dass es bei uns zu keinen Problemen wie in anderen Ausgabestellen kam, verdanken wir der umsichtigen Arbeit unserer Ehrenamtlichen“, betonte der katholische Geistliche.

 

Doch nicht nur der Einkauf ist wichtig, sondern auch der Austausch der Betroffenen untereinander: Im Gerabronner katholischen Gemeindesaal gibt es parallel zu den Öffnungszeiten auch Kaffee und Kuchen, die Ehrenamtlichen laden ihre „Kunden“ zum Verweilen und zum Gespräch ein: „Somit kennen wir ihre Probleme und können handeln“, erklärt Karin Coffey die Idee dahinter. Auch sie lobte „die tolle Gruppe in Gerabronn“. Die Gemeinschaft zu spüren, tue ihr gut.

 

www.kirche-in-gerabronn.de

 

Info

 

Die ökumenische Begegnungsstätte „OffenBar“ in der Blaufeldener Straße in Gerabronn wird von den evangelischen und katholischen Kirchengemeinden, in Kooperation mit dem Caritasverband und dem Diakonieverband, betrieben. Dort können sich Menschen näher kommen: Zwei Mal pro Woche treffen sich Junge und Alte, Kirchennahe und ‑ferne, Kinderreiche und Alleinstehende zum Schwätzen, Lesen, Spielen und Kaffeetrinken. Die Begegnungsstätte wird durch die Ausgabestelle des Crailsheimer Tafelladens ergänzt. Er ist dienstags von 14.30 bis 15.30 Uhr in der Gerabronner Goethestraße 21 (katholischer Gemeindesaal) geöffnet. Das Angebot richtete sich an bedürftige Menschen im gesamten nördlichen Altkreis Crailsheim. Die beiden Projekte werden überwiegend mithilfe von Spenden finanziert.

 

Die Träger des Tafelladens – die beiden Gerabronner Kirchengemeinden, die Aufbaugilde Crailsheim, die Diakonie, die Caritas und die Stadt – freuen sich zus. mit dem Team, das jeden Dienstag die Kunden betreut, über das fünfjährige Jubiläum. Foto: Hiller

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