Partnerschaft ist gelebtes Europa

 

Nach den Jubiläumsfeierlichkeiten im letzten Jahr war das diesjährige Partnerschaftstreffen zwischen Gerabronn und Nouan-le-Fuzelier eine „ganz normale“ Begegnung zwischen langjährigen Freunden: Mehr als 80 Franzosen verbrachten über Pfingsten einige erlebnisreiche Tage bei ihren Partnerfamilien in Gerabronn.

Gerabronn/Nouan-le-Fuzelier. Die langjährige Städtepartnerschaft zwischen den beiden Gemeinden hätte einen wichtigen Hintergrund, betonten an den vier Tagen viele Redner in Gerabronn, sie sei die Basis für ein friedliches Europa. Evelyn Gebhardt, Vizepräsidentin des Europäischen Parlaments, unterstrich bei der Begrüßung der französischen Delegation, dass diese Begegnungen das Fundament für das von ihr gewünschte zukünftige Europa seien. Die herzliche Art und Weise, wie die Menschen empfangen wurden, zeige, wie gut sie sich verstehen. „Die persönlichen Verbindungen der Partnerschaft sind Europa.“ Dass die Franzosen auf dem richtigen Weg seien, habe auch die Präsidentschaftswahl deutlich gemacht, bei der sie sich bewusst für Europa und die deutsch-französische Freundschaft entschieden haben.

 

Der erste Abend des nun 51. Partnerschaftstreffens ist traditionell für die Begegnung in den Familien reserviert, es findet kein offizielles Programm statt. An den anderen Tagen gab es viel zu erleben: Einen Besuch im Freilandmuseum in Bad Windsheim, einen Grillabend mit der Rock’n’Roll-Band Red fat Cat sowie einen sportlichen Nachmittag. Zwischendurch kamen auch Gespräche über die Zeit seit dem letzten Treffen nicht zu kurz. Viele Familien kennen sich seit Jahrzehnten und statten sich nicht nur an Pfingsten Besuche ab. Etliche fahren auch unter dem Jahr in die rund 800 Kilometer entfernte Partnerstadt im Herzen Frankreichs und verbringen weitere Tage gemeinsam. Manche Familien nehmen in der dritten Generation an den Treffen teil – der jüngste Teilnehmer war dieses Jahr gerade einmal sechs Monate alt, der älteste über 80. Die langjährigen, persönlichen Freundschaften machten die besondere Atmosphäre dieser „Jumelage“ aus, ist immer wieder zu hören.

 

Ein weiteres Angebot für Deutsche und Franzosen war ein Gottesdienst in der Rückershagener Wendlinskapelle: Pfarrer Simon Englert ging mit Unterstützung von Übersetzer Jörg Engelbrecht auf die Gäste aus dem Nachbarland ein: Mit meditativen Texten rund um die wichtigsten christlichen Tugenden Glaube, Hoffnung und Liebe sowie deutsch-französischen Liedern aus dem evangelischen Gesangbuch. Der Gottesdienst sei ein Dialog zwischen beiden Ländern und die Partnerschaft leiste eine gemeinsame Friedensarbeit, hob Pfarrer Englert hervor.

 

Höhepunkt des Pfingstwochenendes war der festliche Abend am Montag – am nächsten Tag reiste die über 80 Personen große Delegation wieder zurück nach Nouan-le-Fuzelier. In seinem Grußwort fasste der Gerabronner Bürgermeister Christian Mauch sein 1. Partnerschaftstreffen zusammen: „Die französischen Freunde stiegen wie Verwandte aus dem Bus aus.“ Er sei ein außergewöhnliches Wochenende gewesen, „toll, dass ich das miterleben durfte“. Der herzliche Umgang miteinander sei das Rezept für diese jahrelangen, engen Begegnungen. Er freue sich auf ein Wiedersehen im nächsten Jahr, betonte Bürgermeister Mauch.

 

Die beiden Komitees unter der Leitung von Birgit Wankmüller und Dominique Chapart organisieren gemeinsam die Treffen. Der französische Vorsitzende ehrte seinen Vorgänger Jacques Tyrel de Poix und ernannte ihn zum Ehrenpräsidenten des Komitees. Auch Birgit Wankmüller hatte Grund zu danken: Klaus-Dieter Schumm unterstützte in seiner Zeit als Gerabronner Bürgermeister den Partnerschaftsausschuss 20 Jahre lang. Schumm: „Die deutsch-französische Freundschaft ist ein wichtiger Baustein Europas, schön, dass ich meinen Teil dazu beigetragen konnte.“

 

(von Thorsten Hiller)

 

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